Freitag, 5. August 2011

Immer noch Nizza....

Durch die Gassen der Altstadt streifen….das bunte Treiben in einer provenzalischen Stadt geniessen…..
Auf dem Blumenmarkt überall Lavendel, Rosen, exotische Blüten, buschige Sträusse mit gar farbigen Kompositionen…eigentlich wunderbar, denke ich, dass natürliche Blumenfarben stets zu einander zu passen scheinen….auch in sehr, sehr gewagten Zusammenstellungen….


Auch 1927 gab es den „Marché aux fleurs“ schon…und wie farbig er schon damals war…. und wie bunt und hoch der Himmel zu dieser Zeit war…..



In den Gassen vermischt sich der Duft von Gewürzen, Brathähnchen und der ausgestellten Seifen….alle beschriftet mit „savon de marseille“….




Mich interessiert die Geschichte dieser Seife, die ich aus meiner Kindheit kenne. Die Wollsachen bei uns zuhause wurden stets von Hand und mit dieser Seife gewaschen. Wir hatten eine große Holzkiste auf dem Estrich, voll mit diesen Seifenstücken. Die Seife hatte einen frischen, jedoch sehr eigenen, oeligen Geruch und war honiggelb. Für mich ist dieser Geruch einfach „der Seifengeruch“ geblieben….


Das Waschwasser sah immer aus wie Milch, war trübe und ein bisschen ölig. Die Hände der Sockenwäscherin sahen dann nach einigen Paar Socken genauso aus, wie man sich Waschfrauenhände vorstellt….schrumpelig und aufgeweicht….


Ich erfahre, dass die Araber bereits im 8. Jahrhundert eine Substanz aus Oel und Lauge verkochten, die man Seife nannte.
Der erste urkundlich erwähnte Seifensieder lebte 1371 in Marseille.
Hygiene und Körperpflege waren damals wichtige Themen.
Im Mittelalter wurde der Besuch des Badehauses sehr beliebt und man brauchte immer mehr Seifen.
Der Ausbruch von Pest und Cholera führte dann dazu, dass das Waschen mit Wasser eingeschränkt wurde. Die Menschen hatten das Gefühl, dass das Bade- und Waschwasser die Poren für die Krankheitserreger öffnen würde.
In den besseren Kreisen ersetzte man das Waschen durch Puder und Parfüm. Bis ins siebzehnte Jahrhundert dachte man in Europa, dass Wasser und das Waschen dem Körper schaden würden.
Im 17. Jahrhundert verhalf der französische König Ludwig XIV. der Seife zu neuer Blüte, indem er die besten Seifensieder nach Versailles holte.

 
 
Er erliess damals ein Gebot für die Seifen, sie mussten mindestens 72% reines Olivenoel und keinerlei tierische Fette enthalten. Dieses Gütesiegel hat sich Marseille bis heute bewahrt.
Die Nachfrage nach Seifen nahm stetig zu und man begann von der handwerklichen zur industriellen Fertigung überzugehen.
Marseille begann sich zur führenden Seifenmetropole zu entwickeln.



Heute gibt es diese typischen Seifen eingefärbt und mit vielfältigen Düften angereichert…grüner Apfel mit Lime, Zimt mit Orangenblüten, Vetiver mit einem Hauch Pfefferminze, Lavendel und Rosen, Honig mit Himbeere...
.....egal, wie verwegen die neuen Duftkreationen auch erscheinen mögen....
für mich bleibt die ursprüngliche Marseillerseife mit ihrem frischen, kernigen und olivenoeligen Geruch das unschlagbare Original....



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